Sonntag, 16. September 2012

Wolkenkratzer

Gross, riesig, gen Himmel
strebt der Wolkenkratzer,
von langer Hand geplant, gemessen,
berechnet und abgesegnet,
noch länger gebaut, besorgt beobachtet,
herbeigesehnt - und endlich vollendet.

Das kleine Dorf, das wächst,
Haus an Haus reiht sich,
Jahr für Jahr wandelt es sich,
Aufruhr, Streitigkeiten,
Freudenfeste, Hochzeiten,
auch heute lebt die Geschichte weiter.

Und der Wald daneben,
der war mal ne Wiese,
karg und sonnenüberflutet,
bis die ersten zarten Bäume
Wurzeln darin schlugen und wuchsen
zu stattlichen Riesen, Schatten spendend.


In diesen Zeiten mag die Welt gut erscheinen.


Und plötzlich - ein Flugzeugabsturz,
ein Bombenanschlag, ein Brand -
in Trümmern der Wolkenkratzer,
das Dorf liegt zerstört,
die Bäume in Flammen.
Nur eins bleibt zurück - Asche und Rauch.

Was Monate, Jahre, Generationen braucht
um zu entstehen, zu wachsen,
ist innert Sekunden zerbrochen.


Jedes Lebewesen braucht Zeit
um grosszuwerden, zu spielen, zu lernen,
zu schmecken, zu spüren, zu sehen, zu hören.
Lange Zeit, bis es so gross wird -
doch es zu töten dauert einen kurzen Moment,
einen Augenblick, einen Wimpernschlag.

Warum bloss, warum ist das so?
Warum ist das Zerstören
so viel einfacher als das Bauen,
warum ist das Böse 
so viel stärker als das Gute?



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